Qualitätssicherung von Lehr- und Ausbildungssupervision in Zeiten der Corona-Pandemie – wie geht das?

Astrid Hassler, 14.04.2020

Lehr- und Ausbildungssupervision: Aspekte der Qualität im E-Learning

Mit dem «Social Distancing» wird auch das professionell geleitete Reflektieren, das Lehren und Lernen von heute auf morgen ins E-Learning katapultiert - eine Herausforderung für Lehr- und Ausbildungssupervisor*innen und für Trainees gleichermassen. Für sie gilt nun, sich einerseits das technisch digitale Know-how anzueignen und andererseits das notwendige didaktische und methodische Repertoire für die Strukturierung der Lernprozesse an das E-Learning zu adaptieren.

Eine wesentliche Frage stellt sich: Wie kann die Qualität in der Lehr- und Ausbildungssupervision mit E-Learning gewährleistet werden?

Was ist anders mit E-Learning?

Schwierigkeiten und Möglichkeiten

Das online durchgeführte Lernen und Lehren, vor allem in Gruppen, verändert unseren Umgang mit Spontanität. Einer raschen und spontanen Abfolge von zum Teil gleichzeitigen Redebeiträgen kann unsere Wahrnehmung in einer Videogruppen-Lehrsupervision kaum folgen. Dies unterscheidet sich vom Face-to-Face-Kontakt, in dem rasche aufeinanderfolgende und quere Redebeiträge eher erfasst werden können. Die ultraschnelle Wahrnehmung der Körpersprache der teilnehmenden Personen verhilft uns auch zu erkennen, wann sich eine zeitliche Lücke auftut, um sich ins Gespräch einzumischen.

Diese neue Realität birgt aber auch Chancen in sich. Der Dialog verlangsamt sich, ähnlich wie bei einem Redestab, der reihum gegeben wird. Allein dadurch entsteht noch keine Tiefe der Dialoge und der Reflexion. Sollte ein differenzierter Gehalt erreicht werden, braucht es gezielte Strukturierung. Für die Ergebnissicherung braucht es ein Set von Methoden zur Strukturierung der Dialoge und der (Lern-)Prozesse: zum Beispiel adäquate Fragestellungen, Lernaufgaben, Reporting, strukturierte Evaluation usw.

Im Besonderen soll hier auf die Schwierigkeiten eingegangen werden, die sich im Erlernen eines professionellen Umgangs mit Parallelprozessen und (Kommunikations-)Mustern in Systemen (Systemisches Arbeiten) ergeben können. Ein Zugang, die Regeln der Kommunikationsmuster zu verstehen, ist die Reflexion der Arbeitsbeziehung zwischen Trainee und Lehrsupervisor*in. Fällt der direkte Kontakt weg, kann die Wahrnehmung der Körpersprache kaum noch zwischenmenschliche Stimmungen und Gefühle erfassen. Das heisst, dass die Arbeit mit Gefühlen und die Reflexion von Beziehungs- und Kommunikationsmustern stark von der Dialog- und Aufgabenstruktur abhängig werden. Die Strukturierung der Lehrsupervisor*in soll der Trainee ermöglichen, dass dieser Erkenntnisprozess zu einem strukturierten Eigenprozess der Trainee werden kann. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung im Lernprozess der Trainees, denn die Distanz und die digitale Technik im E-Learning fördern das Lernen von Methoden und Tools für die Beratungsarbeit stärker und unterstützen die Reflexion eigener Kommunikationsmuster im Beratungskontext weniger.

Was in einer Gruppenlehrsupervision im Rollenspiel umgesetzt und trainiert werden könnte, ist im E-Learning nur beschränkt möglich. Hier ist die Art und Weise, wie Reporting, Evaluation und Rückmeldung von Lernerkenntnissen durch die Lehrsupervisor*in gelenkt werden, besonders wichtig. Die Schwierigkeit, die Arbeitsbeziehung umfassender einzubeziehen, kann dazu verleiten, dass sich Trainee wie Lehrsupervisor*in vermehrt auf die Anwendung von Beratungstools konzentrieren und die Gestaltung und das Erkennen von Kommunikationsmustern und Parallelprozessen in den Hintergrund geraten können.

E-Learning verändert die Lehr- und Ausbildungssupervision. Die Lehrsupervisor*in ist gefordert, ihre Kompetenzen im E-Learning zu erweitern und mit Kreativität die Strukturierung der Lernprozesse anzupassen, um mit geeigneter Didaktik und Methodik1) die Ergebnisqualität der Lehr- und Ausbildungssupervision trotzdem zu sichern.

1)  In diesem Zusammenhang wird auf die Weiterbildung im Herbst 2020 «Lehr- undAusbildungssupervision zwischen Irritation und Integration» hingewiesen. 

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